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Fiido Nomads – erster Fahrbericht: Akkus im Dreier-Pack

Ausflug im winterlichen Bayern: das brandneue Fiido Nomads mit drei Akkus. (c) R. Huber

So lange hat es zwischen Anlieferung und den ersten Kilometern noch nie gedauert: Kurz vor Weihnachten kam das brandneue Fiido Nomads im winterlichen Oberbayern an. Doch bisher war es derartig kalt, verschneit und eisig, dass ich mich nicht damit auf die Straße traute. Aber jetzt hat’s endlich geklappt. Hier meine ersten Impressionen in Wort und Bild.

Der mittlerweile nicht nur in der Zweirad-Branche, sondern auch bei vielen Pedelec-interessierten Laien bekannte Hersteller Fiido vermarktet seinen jüngsten Neuzugang als „Langstrecken-E-Tourenrad für komfortables Reisen auf jedem Terrain und Stadterkundungen“.

Wobei eine besondere Betonung auf dem „Lang“ liegt. Wie bei seinem Offroad-Bullen Titan bieten die Hongkonger ihr Nomads nämlich auch mit zwei optionalen Zusatzakkus an, die in einer Halterung am Gepäckträger in maßgeschneiderten Taschen untergebracht werden können. Damit verdreifacht sich die Reichweite, Fiido gibt für den Einzelakku 79 Kilometer und für den Dreierpack 238 Kilometer an.

Die Akku-Taschen stecken in einem Gestell am Gepäckträger. (c) R. Huber

Ob das ansatzweise der Realität entspricht, konnte ich beim ersten Trip mit Temperaturen um die null Grad natürlich noch nicht feststellen. Dazu gibt es später ein Update. Schon jetzt ist aber klar: Mit den zwei Zusatzakkus steigt natürlich auch der Preis – von 1.399 auf 1.999 Euro. Ist das angemessen für das Gebotene?

Beim ersten Kontakt mit dem Nomads ist man geneigt, diese Frage mit einem eindeutigen Ja zu beantworten. Denn der Neuzugang steht schlank und dynamisch auf seinen 29-Zoll-Rädern, er wirkt rundum sauber und sogar penibel verarbeitet, die bislang einzig lieferbare Lackierung ist ein helles, nobles Beige. Die gewählte Rahmengröße M (es gibt alternativ noch L) ist für Menschen zwischen 1,70 und 1,90 Meter genau richtig. Das Rahmendesign ist klassisch-elegant, der im Unterrohr untergebrachte und nach vorne herausnehmbare Akku trägt nicht allzusehr auf.

Das Farbdisplay lässt sich gut ablesen. (c) R. Huber

Er fasst allerdings auch „nur“ 418 Wattstunden (Wh) – daher auch die überschaubare Reichweite. Wenn der Ausflug länger ausfallen soll, kommen eben ein oder zwei zusätztliche Stromspender mit. Beim Single-Akku-Betrieb sorgt die relativ niedrige Kapazität natürlich auch für weniger Gewicht, das liegt bei akzeptablen 24,7 Kilo. Die Zuladung wiederum gibt Fiido mit 120 Kilo an.

Angetrieben wird das Nomads von einem Heck-Nabenmotor, der die gesetzeskonformen 250 Watt leistet und ein Drehmoment von eher überschaubaren 45 Newtonmeter (Nm) produziert. Erster Eindruck von meinem Standard-Testberg: Das extrem leise arbeitende Maschinchen steht wirklich gut im Futter, man würde ihm glatt zehn Nm mehr zutrauen. Der Drehmomentsensor passt mit seiner geschmeidigen Abstimmung gut ins Gesamtbild. In Kombination mit der vom ersten Meter an korrekt arbeitenden Neungang-Kettenschaltung von Shimano verlieren auch steile Anstiege ihren Schrecken.

Das Drei-Akku-Bike im Schnee: Ich warte auf den Frühling! (c) R. Huber

Die Sitzposition passt auch wegen des verstellbaren Vorbaus gut zum Tourencharakter des Zweirads, man fühlt sich auf Anhieb wohl. Dank der kräftig profilierten, 2,1 Zoll breiten CST-Reifen und der Vorderradfederung mit 120 Millimeter Federweg sind auch Ausflüge auf Schotterstraßen und Kieswege kein Problem.

Bei der Bedienung geht Fiido wieder mal einen eigenen Weg. Die jeweils mit eigenen Farben unterlegten Unterstützungsstufen (Eco, Sport, Turbo) werden zwar wie üblich über die Lenker-Remote per Tasten mit Auf- und Abwärtspfeil angesteuert. Wer aber bei Turbo versehentlich nochmal nach oben drückt, landet auf Stufe 0 – und muss sich erst wieder mit mehrfachem Tippen nach oben arbeiten. Besser wäre die übliche Funktion: Pfeil rauf – Unterstützung rauf. Pfeil runter: Unterstützung runter. Zudem sind die (immerhin beleuchteten!) Tasten mindestens eine Nummer zu klein ausgefallen. Das merkt man speziell im Winter mit Handschuhen sehr deutlich. Und die in der EU nicht zugelassene Hupe hätte sich der Hersteller getrost schenken können.

Die Tasten an der Remote sind zu klein für die Handschuh-Zeit. (c) R. Huber.

Hilfreich sind dagegen die Extra-Taste für die Schiebehilfe. Und der Schalter für die links und rechts an der hinteren Achse angebrachten Blinker – die sind eine prima Sache, allerdings verdecken die Akku-Taschen am Heck teilweise die Leuchten. Wie gewohnt ist das Nomads mit Schutzblechen, kompletter Beleuchtung, Seitenständer und Gepäckträger ausgestattet. Das mittig am Lenker platzierte Display lässt sich gut ablesen. Und auch die Tektro-Scheibenbremsen machen einen ordentlichen Job. Und ja: Eine App gibt es natürlich auch, mit deren Hilfe kann man beispielsweis auf fünf Unterstützungsstufen umschalten und sich navigieren lassen. Aber mit damit habe ich mich beim ersten Trip durch die schneebedeckte Landschaft noch nicht intensiv befasst. Das kommt später dran.

Alles in allem macht das neue Fiido Nomads jedenfalls schon nach den ersten Kilometern Lust auf ein intensiveres und ausführlicheres Kennenlernen – irgendwann wird es ja hoffentlich wieder mal Frühling. Dann werde ich meine Erfahrungen mit dem Marathon-Pedelec aktualisieren. Bis dahin: Macht es gut, viel Spaß – und keep on biking! Rudolf Huber

Fiido Air: Geschmeidiges Karbon-Leichtgewicht

Stylish, cool und praktisch ohne sichtbare Kabel: das neue Fiido Air. (c) R. Huber

Von Rudolf Huber

Mit dem Air bringt Hersteller Fiido aus Hongkong (link zum Youtube-Video) ein ganz spezielles Pedelec auf den Markt. Es ist nämlich extrem leicht – fahrfertig wiegt es gerade mal 13,75 Kilogramm. Möglich macht das der intensive Einsatz des teuren, stabilen und leichten Werkstoffs Karbon, etwa für den Rahmen, den Lenker, die Vorderradgabel oder die Sattelstütze. Das spart nicht nur Gewicht, sondern sieht auch noch ziemlich gut aus. Völlig zu Recht hat das Air bereits einen Red Dot-Award für sein gelungenes Design errungen.

Gelungene Details: Formschöner Velo-Sattel, Karbon-Sattelstütze. (c) R. Huber

Beim Antrieb setzt Fiido wieder auf die bewährten Komponenten von Mivice, also auf den Hecknabenmotor, der trotz nominell nur 40 Newtonmeter Drehmoment bei Bedarf wirklich kräftig anschiebt und den sehr geschmeidig arbeitenden Drehmomentsensor für die Dosierung der Antriebskraft. Auf eine Gangschaltung hat Fiido verzichtet, das Air kommt als sogenanntes Singlespeed-Bike angerollt. Für die Übertragung der menschlichen Antriebskraft ist ein praktisch wartungsfreier Gates-Karbonriemen zuständig. Die Tretfrequenz ist bei Geschwindigkeiten um und über dem Unterstützungs-Limit von 25km/h relativ hoch, das sollte man bei der Entscheidung für ein Air einkalkulieren. Für den Einsatz in der Stadt reicht der eine Gang jedenfalls völlig aus. Der Fahrkomfort ist eher rudimentär ausgeprägt, denn das Karbon-Pedelec verfügt über keinerlei Federung. Auf guten Straßen rollt man mit den 28-Zoll-Reifen aber flott und geschmeidig dahin.

Das Fiido Air hat schon vor seinem Marktstart einen Red Dot-Award gewonnen. (c) R. Huber

Der fest installierte Akku hat ebenfalls aus Gewichtsgründen nur eine Kapazität von 208,8 Wattstunden, das soll laut Fiido für bis zu 80 Kilometer am Stück reichen. Nach den Erfahrungen bei den ersten Testfahrten auf Strecken mit etwas anspruchsvollerer Topografie, also mit einigen Steigungen, dürften um die 50 Kilometer machbar sein. Wem das nicht reicht, der kann für 242 Euro einen Zusatz-Akku wie bei den Fiido-Modellen C21 und C22 ordern, der am Rahmen eingeklinkt wird und bei Nichtgebrauch abgenommen werden kann.

Die im Air verwendeten Komponenten wirken durchaus wertig, etwa der Velo-Sattel oder die hydraulischen Shimano-Scheibenbremsen. Betriebsbereit geschaltet wird das Air wahlweise über die Smartphone-App oder den Fingerabdruck-Sensor am Oberrohr, der auch für die Wahl der Unterstützungsstufen (drei oder fünf) und das Ein- und Ausschalten der vorne wie hinten fest verbauten und mit dem Akku gekoppelten Beleuchtungsanlage zuständig ist. Dritter Weg für freie Fahrt: Per Smartwatch, die eigentlich 99 Euro kostet, zunächst gratis im Lieferumfang enthalten ist und am Handgelenk etwa mit der Anzeige von Geschwindigkeit und Akkustand das Display ersetzen kann, das der Hersteller am Rad selbst schlicht weg gelassen hat.

Extrem leicht: Trotz Akku und E-Motor lässt sich das Fiido Air locker hochheben. (c) HoverX1

Womit wir bei den Preisen wären. Für Super-Frühbucher ruft Fiido aktuell 1.799 Euro auf, das ist ein wirklich interessantes Angebot. Wer länger zögert, wird mit stufenweise steigenden Preisen bestraft. Letztlich soll das Air 2.799 Euro kosten. Die Auslieferungen starten im August.