Archiv der Kategorie: Straßenverkehr

Vorsicht, es herbstelt!

Im September und Oktober verändern sich die Bedingungen für Autofahrer spürbar. Foto: GTÜ

Dunst oder Nebel über der Fahrbahn, nasses Laub, tief stehende Sonne am Morgen und früher einsetzende Dunkelheit am Abend: Im September und Oktober verändern sich die Bedingungen für Autofahrer spürbar. Gleichzeitig können die Temperaturen innerhalb kurzer Zeit deutlich sinken, so die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung mbH. Wer sein Fahrverhalten anpasst und das Fahrzeug rechtzeitig auf die dunkle Jahreszeit vorbereitet, leistet einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr. Hier die wichtigsten Tipps für sichere Fahrten im Herbst.

Gute Sicht ist entscheidend: Gerade morgens und am späten Nachmittag steht die Sonne im Herbst häufig tief. Sie kann stark blenden und dafür sorgen, dass andere Verkehrsteilnehmer, Ampeln oder Hindernisse später erkannt werden. Verschmutzte Scheiben können die Wirkung zusätzlich verstärken. Deshalb sollten Frontscheibe und Seitenscheiben außen wie innen sauber sein. Auch eine gut funktionierende Scheibenwaschanlage und intakte Wischerblätter sind wichtig. Bei starker Blendung gilt: Geschwindigkeit reduzieren und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug vergrößern.

Nebel kann die Sicht innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtern. Besonders häufig tritt er am Morgen, in Niederungen und in Gewässernähe auf. Autofahrer sollten ihre Geschwindigkeit der tatsächlichen Sichtweite anpassen und mit größerem Abstand fahren. Das Abblendlicht hilft dabei, selbst besser zu sehen und von anderen Verkehrsteilnehmern früher erkannt zu werden. Bei starker Sichtbehinderung ist das Abblendlicht tagsüber in Deutschland sogar vorgeschrieben – wie auch bei Regen oder Schneefall. Auf Tagfahrlicht oder Lichtautomatik sollten sich Autofahrer also nicht verlassen. Für die Nebelschlussleuchte gelten klare Regeln: Beträgt die Sichtweite durch Nebel weniger als 50 Meter, darf sie eingeschaltet werden. Zugleich darf dann nicht schneller als 50 km/h gefahren werden. Bei Bedarf ist die Geschwindigkeit weiter zu reduzieren.

Nasses Laub ist nicht zu unterschätzen. Auf feuchter Fahrbahn können Blätter die Reifenhaftung deutlich verringern. Besonders in Kurven sowie beim Bremsen und Beschleunigen kann das Fahrzeug dann ins Rutschen geraten. Eine angepasste Geschwindigkeit, der Verzicht auf abrupte Lenk-, Brems- und Beschleunigungsmanöver sowie ein größerer Sicherheitsabstand helfen, wichtige Sicherheitsreserven zu schaffen. Das gilt ebenso bei starkem Regen. Steht Wasser auf der Fahrbahn, steigt das Risiko von Aquaplaning. Ausreichendes Reifenprofil unterstützt dabei, Wasser zuverlässig aus der Aufstandsfläche des Reifens abzuleiten.

Mit sinkenden Temperaturen rückt zudem die Bereifung in den Mittelpunkt. Bereits im Oktober können erste Nachtfröste auftreten. Brücken, schattige Straßenabschnitte und Waldgebiete können besonders früh glatt sein. Die GTÜ empfiehlt, den Reifenzustand rechtzeitig zu kontrollieren und den Wechsel auf Winterreifen nicht bis zum ersten Schneefall hinauszuschieben. In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte müssen alle Räder geeignete Reifen mit Alpine-Symbol tragen. Auch wenn eine feste Zeitspanne für Winterreifen am Fahrzeug nicht vorgeschrieben ist, bewährt sich eine Faustregel: Winterreifen nutzt man am besten von Oktober bis Ostern. Egal, ob Sommer-, Winter- oder Ganzjahresreifen: Der Gesetzgeber schreibt eine Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern vor. Die GTÜ empfiehlt im Sinne der Sicherheit mindestens vier Millimeter Restprofil.

Die Beleuchtung verdient im Herbst ebenfalls Aufmerksamkeit. Die Tage werden rasch kürzer, Fahrten zur Arbeit oder nach Hause finden zunehmend in Dämmerung oder Dunkelheit statt. Fußgänger und Radfahrer sind dann schwerer zu erkennen. Funktionierende und korrekt eingestellte Scheinwerfer verbessern nicht nur die eigene Sicht, sondern verhindern auch, dass entgegenkommende Verkehrsteilnehmer unnötig geblendet werden. Deshalb lohnt es sich, die gesamte Beleuchtungsanlage regelmäßig zu kontrollieren.

Zu den typischen Herbstgefahren zählt außerdem Wildwechsel. Vor allem in der Morgen- und Abenddämmerung kann auf Landstraßen plötzlich Wild die Fahrbahn queren. Autofahrer sollten insbesondere an Waldrändern und in Bereichen mit entsprechenden Warnschildern aufmerksam sein, die Geschwindigkeit reduzieren und die Fahrbahnränder beobachten. Taucht ein Tier auf, sollte man kontrolliert bremsen, das Fernlicht ausschalten und hupen. Riskante Ausweichmanöver können zusätzliche Gefahren verursachen. Zudem ist stets damit zu rechnen, dass einem Tier weitere folgen.

Auf Landstraßen kommt im September und Oktober häufig landwirtschaftlicher Verkehr hinzu. Traktoren und Erntemaschinen fahren deutlich langsamer als Pkw und können besonders breit sein. Zusätzlich können Erde und Schlamm von Feldzufahrten die Fahrbahn verschmutzen und rutschig machen. Ein ausreichender Sicherheitsabstand und geduldiges Abwarten vor einem Überholmanöver sind hier besonders wichtig. Überholt werden sollte nur dort, wo die Strecke vollständig einsehbar ist und jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist.

Eine weitere typische Begleiterscheinung des Herbstes sind beschlagene Scheiben. Hohe Luftfeuchtigkeit und sinkende Außentemperaturen können die Sicht bereits unmittelbar nach dem Einsteigen stark einschränken. Lüftung und Klimaanlage helfen, die Feuchtigkeit aus dem Innenraum zu entfernen – dabei wirkt eine Frischluftzufuhr besser als Umluft. Die Fahrt sollte erst beginnen, wenn alle für die Sicht wichtigen Scheiben ausreichend frei sind.

Die Summe dieser Faktoren zeigt: Im Herbst ändern sich die Anforderungen an Fahrer und Fahrzeug. Vorausschauendes Fahren, mehr Abstand und eine den Verhältnissen angepasste Geschwindigkeit schaffen wichtige Sicherheitsreserven. Ebenso wichtig ist der technische Zustand des Autos. Reifen, Beleuchtung, Scheibenwischer und Bremsen müssen zuverlässig funktionieren. Gerade vor der dunklen und kalten Jahreszeit lohnt es sich, das eigene Fahrzeug bewusst auf die kommenden Bedingungen vorzubereiten. Damit wird aus wenigen zusätzlichen Handgriffen und etwas mehr Aufmerksamkeit ein wirkungsvoller Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr.

Die Lkw-Chinesen kommen

Der Eindruck ist fast schon überwältigend: Wohin das Auge in den einschlägigen Hallen der IAA Transportation 2026 auch fällt – fast überall sind meist riesige Stände chinesischer Hersteller zu sehen.

Klar: Auch die deutschen und die europäischen Fabrikanten zeigen ihre neuesten Produkte, speziell im Bereich E-Mobilität inkl. Wasserstoffantrieb.

Das TL.X Concept ist mein persönliches Messe-Highlight. Foto: R. Huber

Aber nicht nur gefühlt haben die Fernostler das Heft in der Hand, sie geben das unmissverständliche Signal: Es geht los. Mit uns ist zu rechnen.

Die KI wirft auf die Frage „Welche chinesischen LKW-Hersteller stellen auf der IAA Transportation 2026 aus?“ folgende (tatsächlich noch unvollständige) Liste aus:

  • Sinotruk (China National Heavy Duty Truck)
  • SANY – bereits mit Elektro-Lkw auf dem deutschen Markt aktiv
  • Dongfeng – zeigt unter anderem neue Wasserstoff-Lastwagen
  • Foton – mit Fokus auf E-Lkw-Ambitionen in Europa
  • Jiefang (FAW) – präsentiert elektrische Nutzfahrzeugkonzepte
  • SuperPanther – stellt ebenfalls in Hannover aus
  • Skyworth – mit E-Lkw-Modellen vertreten
  • BYD – der Elektro-Pkw-Riesengigant zeigt Berichten zufolge auch Lkw
  • Wisdom Motor – hat neue Wasserstoff-Lastkraftwagen angekündigt
  • Farizon (Geely-Tochter) – baut europäische Strukturen aus

Hinter dem Fahrersitz steckt eine höchst variable Kabine. Foto: R. Huber

In dieser Liste, die ja schon eindrucksvoll genug ist, ist mein Messe-Highlight noch gar nicht enthalten. Denn Hersteller FAW (First Automobile Works) hat nicht nur mehrere Serienfahrzeuge, sondern auch eine Studie nach Hannover gebracht. Das TL.X Concept ist als als zukunftsweisendes Statement auf Rädern gedacht, als Blick auf die nächste Generation des Güterverkehrs. Unter anderem mit der Option, das Gerät mit Dieselantrieb zu kaufen und später auf reinen Batterie-Betrieb umrüsten zu lassen. Und es bietet eine modulare Kabine, die sich als mobiles Büro und Wohn- und Ruheraum nutzen lässt.

Klar, das ist alles noch Zukunftsmusik. Doch zusammen mit der Fülle längst serienreifer und längst in China rollender Lkws ergibt sich doch ein deutliches Bild vom bevorstehenden Kräftemessen bei den Brummi-Herstellern.

Der Tesla Semi soll tatsächlich nach Europa kommen. Foto: R. Huber

Was noch auffällt: Der eher lieblos in einer tristen Hallenecke geparkte Tesla Semi in der Europa-Ausführung mit seiner Antriebsleistung von bis zu 800 kW, der Reichweite von rund 550 Kilometern und den 800 kW an maximaler Ladeleistung wirkt gegen manche Produkte der chinesischen Offensive fast schon ein bisschen wie von gestern . . . Rudolf Huber

Aquaplaning: Wenn die Straße plötzlich zur Rutschbahn wird

Die Sommersonne brennt, der Asphalt flimmert – und dann, wie aus dem Nichts, entlädt sich eine einzelne Wolke über wenigen hundert Metern Straße. Minuten später scheint schon wieder die Sonne, als wäre nichts gewesen. Doch genau in diesem kurzen Fenster lauert eine der unterschätztesten Gefahren des Sommers: Aquaplaning. Die GTÜ (Gesellschaft für Technische Überwachung) erklärt, wie es dazu kommt – und wie Autofahrer richtig reagieren.

Was beim Aufschwimmen passiert

Trifft ein Reifen auf mehr Wasser, als er verdrängen kann, bildet sich ein Wasserkeil zwischen Gummi und Fahrbahn. Der Reifen verliert – ganz oder teilweise – den Kontakt zur Straße. Die Folge: Lenk- und Bremsbefehle laufen für einen Moment ins Leere. Wer in diesem Augenblick hektisch reagiert, verschlimmert die Lage nur.

Die goldene Regel lautet deshalb: Ruhe bewahren. Lenkrad geradehalten, nicht bremsen, Gas sanft wegnehmen. Erst wenn die Reifen wieder Bodenhaftung finden, greifen Lenk- und Bremskräfte erneut – dann gilt es, weiterhin ohne ruckartige Bewegungen zu steuern.

Wichtig zu wissen: Weder ABS noch ESP können Aquaplaning verhindern. Solange die Reifen „schwimmen“, laufen beide Systeme praktisch leer. Erst mit teilweiser oder vollständiger Bodenhaftung können sie wieder unterstützend eingreifen.

Tempo ist der Schlüsselfaktor

Je höher die Geschwindigkeit, desto größer das Risiko. Zieht ein Starkregen auf, sollte das Tempo schon vorher gedrosselt werden – nicht erst, wenn der Guss einsetzt. Selbst ein Fahren unterhalb von Tempolimit oder Richtgeschwindigkeit kann bei einem Wolkenbruch noch zu schnell sein.

Weitere Sofortmaßnahmen bei drohendem Starkregen:

Abstand vergrößern

Abblendlicht einschalten

Wassergefüllte Spurrinnen frühzeitig erkennen und – wenn der Verkehr es zulässt – umfahren

Besondere Vorsicht gilt zu Beginn eines Regengusses nach längerer Trockenheit: Staub, Reifenabrieb und andere Rückstände vermischen sich dann mit dem Wasser und machen die Fahrbahn zusätzlich tückisch. Wird die Sicht zu schlecht oder der Fahrbahnzustand zu unsicher, ist eine Pause auf einem Parkplatz oder Rastplatz die sicherste Wahl.

Reifen: Das unterschätzte Sicherheitspolster

Neben dem Tempo entscheidet der Zustand der Reifen maßgeblich über das Aquaplaning-Risiko. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Profiltiefe von mindestens 1,6 Millimetern – die GTÜ empfiehlt jedoch, aus Sicherheitsgründen mindestens vier Millimeter nicht zu unterschreiten. Auch der Reifendruck spielt eine Rolle: Er muss den Herstellervorgaben entsprechen und an die aktuelle Beladung angepasst sein.

Ein Mythos hält sich hartnäckig: Breitere Reifen seien automatisch sicherer. Tatsächlich können sie unter vergleichbaren Bedingungen sogar früher zu Aquaplaning neigen, da sie mehr Wasser verdrängen müssen. Wie sich ein Reifen tatsächlich verhält, hängt stark von Profilgestaltung, Reifentyp, Profiltiefe, Luftdruck und Geschwindigkeit gemeinsam ab – nicht von der Breite allein.

Fazit:

Angepasstes Tempo, ausreichendes Reifenprofil und korrekter Luftdruck sind die wichtigsten Zutaten für sichere Fahrten durch Sommerschauer. Wer zusätzlich ein wachsames Auge auf die Wolken wirft und im Ernstfall besonnen reagiert, übersteht auch den heftigsten Wolkenbruch unbeschadet. Foto: GTÜ

Heiße Sache: Was tun, wenn das Auto brennt?

Hier ist wohl nichts mehr zu retten: Ein Auto brennt lichterloh (c) Kollinger/pixabay.com

Um eine Legende gleich mal auf den Schrottplatz zu werfen: E-Autos brennen nicht häufiger als Verbrenner. Doch was tun, wenn es dazu kommt? Tipps vom TÜV-Verband.

Ob auf Autobahnen, in Tiefgaragen oder in den sozialen Medien: Bilder von brennenden Fahrzeugen verbreiten sich schnell und wecken Ängste, vor allem, wenn es sich um Elektroautos handelt. Doch die spektakulären Szenen täuschen über die Realität hinweg. „Tatsächlich ist die Gefahr eines Fahrzeugbrands sehr gering, und E-Autos stehen klassischen Verbrennern in puncto Sicherheit in nichts nach“, sagt Dr. Hermann Dinkler, Experte für Brand- und Explosionsschutz beim TÜV-Verband. Der erklärt, wie Fahrzeugbrände entstehen, was Autofahrer:innen im Ernstfall tun sollten und warum Panik fehl am Platz ist.

Defekte, Hitze, mangelnde Wartung: So entstehen die meisten Fahrzeugbrände

„Ein Fahrzeugbrand ist in der Regel kein Zufall, sondern die Folge technischer Ursachen“, sagt Dinkler. „Häufig führt eine Verkettung mehrerer Faktoren zum Feuer. Das können ein Kurzschluss im Bordnetz, beschädigte Kabelisolierungen, undichte Kraftstoffleitungen oder eine übermäßige Wärmeentwicklung im Motorraum sein. Auch verschlissene Bremsen, defekte Lager oder zu niedriger Reifendruck können gefährliche Hitze erzeugen. Und Öl- oder Kraftstoffrückstände, die sich an heißen Motor- oder Getriebeteilen ablagern, entzünden sich leicht, wenn Wartung und Reinigung vernachlässigt werden.“ Im Sommer ist die Brandgefahr besonders hoch, da hohe Temperaturen die Entzündung vieler Materialien wesentlich erleichtert.

Trotzdem: Statistisch bleibt das Risiko eines Fahrzeugbrands gering. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gab es in Deutschland im Jahr 2023 etwa 14.200 Brände bei kaskoversicherten PKW. Bei einem Fahrzeugbestand von über 49 Millionen Autos entspricht das weniger als 0,03 Prozent aller PKW. Die meisten dieser Brände haben rein technische Ursachen und nicht etwa einen Unfall als Auslöser.

„Viele Autofahrer:innen unterschätzen, wie stark der technische Zustand über die Sicherheit entscheidet“, sagt Dinkler. „Verschleiß an Hydraulik- und Kraftstoffleitungen, defekte Dichtungen oder eine überalterte Elektronik können im Ernstfall den Unterschied machen. Wer Wartungsintervalle einhält, Öl- und Hydraulikverluste ernst nimmt und die Inspektionen sowie Hauptuntersuchung nicht aufschiebt, reduziert das Risiko eines Fahrzeugbrands erheblich.“ Denn: Viele Brände kündigen sich an, beispielsweise durch Geruch oder Schmorspuren. „Wer solche Warnsignale wahrnimmt und frühzeitig handelt, kann größere Schäden verhindern“, so Dinkler.

E-Autos brennen anders

Seit E-Autos vermehrt auf den Straßen unterwegs sind, hält sich das Gerücht, sie seien anfälliger für Brände. Doch zahlreiche Untersuchungen zeichnen ein anderes Bild. So bestätigt das Fraunhofer‑Institut für System‑ und Innovationsforschung (ISI), dass Elektroautos nicht häufiger in Brand geraten als Verbrenner. Im Gegenteil: In manchen internationalen Erhebungen liegt die Brandwahrscheinlichkeit sogar deutlich niedriger. Ein Vergleich des US-Versicherers Automobile Insurance verdeutlicht das. Von 100 000 konventionellen Fahrzeugen brannten 1.529, bei E-Autos waren es nur 25.

Die Feuerwehr im Fahrzeugbrand-Einsatz (c) Reinhard Thrainer/pixabay.com

Das liegt auch an den hohen Sicherheitsstandards. Die Batterien moderner Elektrofahrzeuge sind in speziell geschützten Bereichen des Fahrzeugs verbaut und durch Sensoren mehrfach abgesichert. Im Falle eines Unfalls schaltet das Hochvoltsystem innerhalb von Millisekunden automatisch ab, und die Verbindung zwischen Akku und Bordnetz wird unterbrochen. Erst wenn diese Sicherheitsmechanismen massiv beschädigt werden – zum Beispiel bei einem extremen Aufprall – kann sich die Batterie entzünden. Dinkler: „Elektroautos brennen nicht häufiger, sie brennen nur anders: Wenn die Batterie betroffen ist, ist die Brandbekämpfung aufwendiger, das Risiko selbst bleibt aber gering.“

E-Auto-Brände sind schwerer zu löschen

Trotz allem ist aber die Brandbekämpfung komplexer. Wenn eine Lithium-Ionen-Batterie Feuer fängt, kann es zu einem sogenannten thermischen Durchgehen kommen. Bei diesem Dominoeffekt entzündet eine einzelne Zelle der Batterie nacheinander die anderen. Das erfordert einen enormen Löschaufwand. Während beim Verbrenner in der Regel 2 000 Liter Löschwasser ausreichen, müssen bei Elektroautos laut der internationalen Forschungsplattform EV FireSafe bis zu 10 000 Liter Wasser eingesetzt werden, um die Batterie zu kühlen und eine Wiederentzündung zu verhindern. Nach dem Löschen wird das Fahrzeug oft in einen mit Wasser gefüllten Container oder unter eine spezielle Löschhaube gebracht und 24 Stunden lang beobachtet, um ein erneutes Aufflammen auszuschließen. „Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sind in Deutschland darauf geschult, auch mit Hochvolt-Fahrzeugen sicher umzugehen. Denn es sind andere technische Abläufe als bei Verbrennern erforderlich“, sagt Dinkler. Langfristig soll die sogenannte Feststoffbatterie das Brandrisiko weiter reduzieren. Sie gilt als schwerer entzündlich und deutlich stabiler als heutige Lithium-Ionen-Akkus.

Richtiges Verhalten bei einem Autobrand

„Im Falle eines Fahrzeugbrandes ist zügiges, aber kein hektisches Vorgehen gefragt. Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren“, rät Dinkler. „Wer die Grundregeln kennt und schnell handelt, bringt sich und andere in Sicherheit, bevor Gefahr für Leib und Leben besteht.“

  • Fahrzeug sicher abstellen: Anhalten, Motor ausschalten, Handbremse anziehen, Warnblinkanlage aktivieren.
  • Insassen evakuieren und Abstand halten: Alle Personen müssen das Fahrzeug sofort verlassen und sich mindestens 50 Meter entfernen, bestenfalls in Fahrtrichtung hinter eine Leitplanke und möglichst nicht in Windrichtung.
  • Feuerwehr rufen (Notruf 112): Angeben, ob es sich um ein Elektroauto handelt.
  • Erste Hilfe leisten, wenn möglich: Verletzte bergen, ohne sich selbst zu gefährden.
  • Kleinbrände nur mit geeignetem Feuerlöscher bekämpfen: Ein Schaumlöscher (ab 500 g) kann Entstehungsbrände eindämmen, ersetzt aber nicht den professionellen Löscheinsatz.
  • Nicht wieder ins Fahrzeug steigen: Nach einem Brand darf das Auto nicht mehr betreten oder gestartet werden. Es besteht Wiederentzündungsgefahr.

Versicherungsschutz im Brandfall

Bei einem Fahrzeugbrand greift grundsätzlich die Teil- oder Vollkaskoversicherung für Schäden am eigenen Auto. Schäden, die durch das Feuer an anderen Fahrzeugen oder Gebäuden entstehen, übernimmt die Kfz-Haftpflichtversicherung. E-Auto-Besitzer sollten zudem prüfen, ob die Versicherung auch den Akkuschutz abdeckt. Denn der Akku macht einen erheblichen Teil des Fahrzeugwerts aus und ein beschädigtes Batteriepaket bedeutet in der Regel einen Totalschaden.

Was tun als Ersthelfer?

Wichtig: Die Unfallstelle absichern Foto: ERGO Group

Wer als Erster an einem Unfallort ankommt, weiß oft nicht, wie er helfen soll. Viele fühlen sich überfordert, unsicher oder zögern. Gerade in diesen Momenten ist es aber wichtig, zu handeln und erste Hilfe zu leisten. Was darf ein Ersthelfer tun, was muss er tun, wenn Erste Hilfe erforderlich ist, und wo endet seine Verantwortung? Sabine Brandl, Juristin der Ergo Rechtsschutz Leistungs-GmbH, klärt autothemen-Leserinnen und -Leser auf.

Erste Hilfe ist keine freiwillige Geste, sondern Pflicht
In Deutschland ist jeder dazu verpflichtet, im Notfall Erste Hilfe zu leisten, sofern dies zumutbar ist und der Ersthelfer sich dabei nicht selbst in Gefahr bringt. Wer nicht hilft, macht sich strafbar nach §323c des Strafgesetzbuches. Das Gesetz schützt gleichzeitig alle die helfen, denn auch, wer Ersthelfer behindert, macht sich strafbar. Andere Vorschriften sorgen dafür, dass Menschen, die Erste Hilfe leisten, nur im Ausnahmefall für Fehler haften, nämlich bei vorsätzlich zugefügten Schäden oder grober Fahrlässigkeit. Letzteres wäre zum Beispiel der Fall bei unterlassener Absicherung der Unfallstelle. Wer jemandem beim Versuch einer Herzdruckmassage versehentlich eine Rippe bricht, haftet in der Regel nicht. „Fehler passieren, aber entscheidend ist, zu handeln“, so Sabine Brandl, Juristin der ERGO Rechtsschutz Leistungs-GmbH.

Sicherheit an erster Stelle
Wer erste Hilfe leistet, muss zuvor die eigene Sicherheit gewährleisten. Eine ungesicherte Unfallstelle kann schnell zu weiteren Unfällen führen. Deshalb gilt: Überblick über die Situation bekommen und Gefahren erkennen. Dazu gehören fließender Verkehr, auslaufende Flüssigkeiten, Stromleitungen oder Feuer. Dann eine Warnweste anziehen, die Unfallstelle absichern und helfen. „Das Absichern der Unfallstelle bedeutet, die Warnblinker einzuschalten, ein Warndreieck aufzustellen und gegebenenfalls weitere Helfer um Unterstützung zu bitten“, so ERGO-Rechtsexpertin Brandl. Das Warndreieck dabei im Stadtverkehr in 50 Metern Abstand zur Unfallstelle aufstellen, auf der Landstraße in 100 Metern und auf der Autobahn in mindestens 150 Metern Abstand. Darüber hinaus kann es erforderlich sein, verletzte Personen soweit möglich aus einer Gefahrenzone zu bringen.

Jede Minute zählt
Am Unfallort zählt oft jede Minute. Deshalb ist es wichtig, Ruhe und einen klaren Kopf zu bewahren. Wer als Erster am Unfallort ist, setzt nach dem Absichern der Unfallstelle den Notruf 112 ab. „Entscheidend sind die sogenannten vier W-Fragen: Wo ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Personen sind beteiligt? Welche Verletzungen liegen vor? Am Ende auf Rückfragen warten“, erklärt Brandl.

Dann beginnen die Erste-Hilfe-Maßnahmen:

  • Atmung und Bewusstsein prüfen
  • ggf. Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen bis der Rettungsdienst vor Ort ist
  • Blutungen stillen
  • Betroffene beruhigen, Maßnahmen gegen Schockzustand einleiten
  • Personen in die stabile Seitenlage legen

„Viele haben Angst, etwas falsch zu machen. Aber das größte Risiko ist, gar nichts zu tun“, betont Brandl. Menschen sind nach einem Unfall oft verängstigt, verwirrt oder geschockt. Beruhigende Worte und Blickkontakt können helfen, Panik zu vermeiden und die Erstversorgung zu erleichtern. Es ist außerdem wichtig, systematisch vorzugehen und Aufgaben gegebenenfalls mit anderen Ersthelfern zu koordinieren. Auch die Betreuung von Betroffenen gehört zu erster Hilfe.

Vorbereitung schützt im Ernstfall
Ein Erste-Hilfe-Kurs vermittelt alle wichtigen Schritte, zum Beispiel die stabile Seitenlage oder das Absetzen eines Notrufs. „Deshalb empfiehlt es sich, den Kurs alle paar Jahre zu erneuern“, ergänzt die Expertin. Vorbereitung bedeutet aber nicht nur Wissen, sondern auch praktische Vorsorge. Ein vollständiger Verbandskasten und griffbereite Warnwesten gehören daher immer ins Auto.

Kreisverkehr kurios

Kreisverkehre gelten als sichere und günstige Alternative zu Kreuzungen. Sie verhindern Staus und kommen in den meisten Fällen ohne Ampeln aus. Und doch sind sie noch viel mehr als das. Weltweit dient etwa ihre besondere Lage, ihre schiere Größe oder die kreisrunde Fläche in der Mitte als Inspiration für Verkehrsplaner, Künstler und sogar für die Politik. Sie werden wie kaum ein anderes Verkehrsbauwerk in Szene gesetzt. Der Autohersteller Seat hat eine Auswahl der ungewöhnlichsten Kreisverkehre der Welt zusammengestellt. Hier Nummer 1: Der Größte: Persiaran Sultan Salahuddin Abdul Aziz Shah (Malaysia).

Persiaran Sultan Salahuddin Abdul Aziz Shah (Malaysia). Grafik: Seat

Noch recht neu und vielleicht auch mit dem längsten Namen versehen, ist der Persiaran Sultan Salahuddin Abdul Aziz Shah in Malaysia der größte Kreisverkehr der Welt. Die 3,5 Kilometer lange Rundstrecke umschließt eine Fläche von knapp 839.000 Quadratmetern, also etwa 117 Fußballfelder – genug Raum für ein Luxushotel, eine Parkanlage und eine Königsresidenz. Die Stadt Putrajaya liegt wenige Kilometer südlich der Hauptstadt und Millionenmetropole Kuala Lumpur, wurde am Reißbrett entworfen und ist erst 26 Jahre alt. Anlass ihres Baus war der Wunsch, den Regierungssitz aus der überfüllten Hauptstadt zu verlagern. Benannt ist der Kreisverkehr nach Salahuddin Abdul Aziz, dem einstigen Sultan des Bundesstaates Selangor und späteren König von Malaysia. (Fortsetzung folgt)