
Die Sommersonne brennt, der Asphalt flimmert – und dann, wie aus dem Nichts, entlädt sich eine einzelne Wolke über wenigen hundert Metern Straße. Minuten später scheint schon wieder die Sonne, als wäre nichts gewesen. Doch genau in diesem kurzen Fenster lauert eine der unterschätztesten Gefahren des Sommers: Aquaplaning. Die GTÜ (Gesellschaft für Technische Überwachung) erklärt, wie es dazu kommt – und wie Autofahrer richtig reagieren.
Was beim Aufschwimmen passiert
Trifft ein Reifen auf mehr Wasser, als er verdrängen kann, bildet sich ein Wasserkeil zwischen Gummi und Fahrbahn. Der Reifen verliert – ganz oder teilweise – den Kontakt zur Straße. Die Folge: Lenk- und Bremsbefehle laufen für einen Moment ins Leere. Wer in diesem Augenblick hektisch reagiert, verschlimmert die Lage nur.
Die goldene Regel lautet deshalb: Ruhe bewahren. Lenkrad geradehalten, nicht bremsen, Gas sanft wegnehmen. Erst wenn die Reifen wieder Bodenhaftung finden, greifen Lenk- und Bremskräfte erneut – dann gilt es, weiterhin ohne ruckartige Bewegungen zu steuern.
Wichtig zu wissen: Weder ABS noch ESP können Aquaplaning verhindern. Solange die Reifen „schwimmen“, laufen beide Systeme praktisch leer. Erst mit teilweiser oder vollständiger Bodenhaftung können sie wieder unterstützend eingreifen.
Tempo ist der Schlüsselfaktor
Je höher die Geschwindigkeit, desto größer das Risiko. Zieht ein Starkregen auf, sollte das Tempo schon vorher gedrosselt werden – nicht erst, wenn der Guss einsetzt. Selbst ein Fahren unterhalb von Tempolimit oder Richtgeschwindigkeit kann bei einem Wolkenbruch noch zu schnell sein.
Weitere Sofortmaßnahmen bei drohendem Starkregen:
Abstand vergrößern
Abblendlicht einschalten
Wassergefüllte Spurrinnen frühzeitig erkennen und – wenn der Verkehr es zulässt – umfahren
Besondere Vorsicht gilt zu Beginn eines Regengusses nach längerer Trockenheit: Staub, Reifenabrieb und andere Rückstände vermischen sich dann mit dem Wasser und machen die Fahrbahn zusätzlich tückisch. Wird die Sicht zu schlecht oder der Fahrbahnzustand zu unsicher, ist eine Pause auf einem Parkplatz oder Rastplatz die sicherste Wahl.
Reifen: Das unterschätzte Sicherheitspolster
Neben dem Tempo entscheidet der Zustand der Reifen maßgeblich über das Aquaplaning-Risiko. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Profiltiefe von mindestens 1,6 Millimetern – die GTÜ empfiehlt jedoch, aus Sicherheitsgründen mindestens vier Millimeter nicht zu unterschreiten. Auch der Reifendruck spielt eine Rolle: Er muss den Herstellervorgaben entsprechen und an die aktuelle Beladung angepasst sein.
Ein Mythos hält sich hartnäckig: Breitere Reifen seien automatisch sicherer. Tatsächlich können sie unter vergleichbaren Bedingungen sogar früher zu Aquaplaning neigen, da sie mehr Wasser verdrängen müssen. Wie sich ein Reifen tatsächlich verhält, hängt stark von Profilgestaltung, Reifentyp, Profiltiefe, Luftdruck und Geschwindigkeit gemeinsam ab – nicht von der Breite allein.
Fazit:
Angepasstes Tempo, ausreichendes Reifenprofil und korrekter Luftdruck sind die wichtigsten Zutaten für sichere Fahrten durch Sommerschauer. Wer zusätzlich ein wachsames Auge auf die Wolken wirft und im Ernstfall besonnen reagiert, übersteht auch den heftigsten Wolkenbruch unbeschadet. Foto: GTÜ