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Porsche Cayenne GTS: Achter mit Wumms

Cayenne GTS
mid Zuffenhausen – Der Porsche Cayenne GTS hat ordentlich Muskeln, und die sind sehr fein verpackt. © Rudolf Huber

Die GTS-Modelle von Porsche sind generell etwas für automobile Feinschmecker. Sie sind kräftiger und einen Tick leistungsorientierter als die S-Versionen, kommen aber etwas dezenter daher als die Turbos.

Bei der neuen GTS-Variante von Cayenne und Cayenne Coupe ist das exakt genauso. Die großen Porsche haben ordentlich Muskeln, aber die sind sehr fein verpackt, so das Vorab-Fazit des Motor-Informations-Dienstes (mid) nach der ersten Ausfahrt.

Was die Fans möglichst vieler Zylinder besonders freut: Die Zuffenhauser sind für den neuen GTS vom Sechs- auf den Achtzylinder-Antrieb zurückgeschwenkt. Der Vierliter-Biturbo leistet 338 kW/460 PS und liefert ein Drehmoment von maximal 620 Newtonmetern (Nm). Dass sich damit, gerade in Verbindung mit einer willigen und fein abgestuften Achtgang-Automatik, einiges anfangen lässt, ist klar. Schon in der Theorie sind die 4,5 Sekunden für den Sprint bis 100 km/h in Verbindung mit dem Sport Chrono-Paket eindrucksvoll. Die Spitze von 270 km/h auch. Doch was der Antrieb in der Realität mit den mehr als zwei Tonnen „Lebendgewicht“ des Cayenne GTS anstellt, ist ein ganz eigenes Erlebnis.

Caenne GTS
mid Zuffenhausen – Das Fünf-Meter-SUV aus Schwaben kommt mit drei unterschiedlichen Bremsanlagen daher. © Rudolf Huber / mid

Orchestriert vom Sound der komplett neu entwickelten Sportauspuffanlage katapultiert sich das Fünf-Meter-SUV nach vorne, als könnte es kurzfristig die Massenträgheit abschalten. Das maximal zulässige Landstraßentempo ist gefühlt in einem Augenzwinkern erreicht – und es geht schier unermüdlich weiter. Noch im Bereich der Höchstgeschwindigkeit wirkt der GTS eher wie ein hochgelegter Sportler und nicht wie ein hochbeiniger Vielzweck-Untersatz.

Der Verbrauch pendelt sich beim ersten Aufgalopp auf Landstraßen, Autobahnen und schwäbischen Ortschaften mit Heerscharen von Tempo-Blitzern auch dank der adaptiven Zylinderabschaltung bei rund 14 Liter je 100 Kilometer ein. Der Normverbrauch der nach Euro 6d-ISC-FCM zertifizierten Sport-SUV liegt laut dem wenig aussagekräftigen NEFZ-Fahrzyklus bei 11,2 bis 11,4 Liter.

Damit das GTS-Ausführen zur komplett runden Angelegenheit wird, haben die Porsche-Ingenieure auch beim Fahrwerk kräftig Hand angelegt. Die Karosserie über dem serienmäßigen Stahlfederfahrwerk mit der betont sportlich ausgelegten Dämpferregelung Porsche Active Suspension Management (PASM) ist um 20 Millimeter tiefergelegt, ein Übriges fürs ungetrübte Kurvenvergnügen tun das Torque Vectoring Plus und die 21 Zoll großen RS Spyder Design-Räder.

Es ist immer wieder verblüffend, wie fix, mühelos und präzise sich der schwere Brocken um enge Ecken zirkeln lässt. Bei den Bremsen hat der GTS-Interessent die Wahl zwischen Grauguss, Stoppern mit Wolframcarbid-Beschichtung oder der Keramikbremse. Und dann gibt es natürlich noch die Dreikammer-Luftfederung mit zehn Millimeter Tieferlegung, die Hinterachslenkung und die elektromechanische Wankstabilisierung.

Innendrin verwöhnen Alcantara am Dachhimmel, auf den Sitzmittelbahnen, den Armauflagen von Mittelkonsole und Türen plus feines Leder und dunkel gebürstetes Aluminium. Serienmäßig sind vorne Sportsitze mit Acht-Wege-Verstellung eingebaut, die laut Prosche „durch die zusätzliche Erhöhung der Seitenwangen optimalen Halt bei dynamischen Kurvenfahrten“ geben – was absolut der Realität entspricht.

Im Bereich Sicherheit und Assistenzsysteme, Vernetzung und Konnektivität sind die beiden neuen GTSler auf dem hohen Level der anderen Cayenne-Modelle. Preislich beginnt der Spaß bei 114.087 Euro für den Cayenne GTS und bei 118.490 Euro für das Cayenne GTS Coupe. Ausgeliefert werden die neuen Mitglieder der Cayenne-Familie ab Juli 2020.

Rudolf Huber / mid

Technische Daten Porsche Cayenne GTS:

– Motor / Hubraum: V8-Biturbo / 3.996 ccm

– Leistung: 338 kW/460 PS bei 6.000 – 6.500 U/min

– Drehmoment: 620 Nm bei 1.800 – 4.500 U/min

– Getriebe: 8-Gang Tiptronic S

– Antrieb: Allrad

– Länge / Breite (m. Außenspiegeln) / Höhe: 4,93 / 1,68 / 2,19 m

– Leergewicht: 2.145 kg

– Kofferraum: 772 – 1.708 l

– Beschleunigung: 0 auf 100 (mit Sport-Chrono-Paket) in 4,5 sek.

– Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h

– Verbrauch: 11,2 – 11,4 l/100 km

– CO2: 255 – 260 g/km

– Emissionsklasse: Euro 6d-ISC-FCM

– Preis: ab 114.087 Euro

Porsche 911 Carrera GTS: Ganz Tolle Sache

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Der neue Porsche 911 Carrera GTS. Alle Fotos: autothemen.com

Der autothemen.com-Mann mag es gerne schnell – zumindest im Auto. So gesehen ist der neue Porsche 911 Carrera GTS genau sein Ding. Diese Einschätzung hat ein intensiver Erstkontakt eher noch zementiert.

Der GTS füllt die verstandesmäßig betrachtet nicht gerade bedeutende, gefühlt aber gewaltige Lücke zwischen Carrera S und dem GT3. 430 PS bei 7500 U/min sind die eine Seite des Neuen, sein fast schon lammfrommes Verhalten bei gemäßigter wie bei verschärfter Fahrweise die andere. Porschefahren ist dank ausgefeilter Fahrwerke und reichlich Elektronik keine Hexerei mehr für begnadete Ausnahme-Piloten. Das kann eigentlich jeder, bloß können’s die Ausnahme-Piloten noch viel besser, schneller, präziser, sicherer.

Coupé oder Cabrio, Handschalter oder Automatik, Heck- oder Allradantrieb: Der GTS ist vom Start weg eine eigene kleine Unterfamilie im großen 911-Clan. Er ist maximal 306 km/h schnell, minimal in 4,0 Sekunden auf 100 und braucht im Idealfall laut Norm deutlich unter zehn Liter,  nämlich deren 8,7.

Der GTS ist eine pure Fahrmaschine mit hoher Alltagstauglichkeit, das ist so eine der großen Künste von Porsche, dass sie Sportwagen für die ganze Woche bauen. Er passt zum Opernbesuch genauso wie ohne irgendeine Änderung auf die Rennstrecke. Und dort packt er eine Performance aus, die süchtig machen könnte.

Das schafft aber letztlich weder die fast schon spielerische Präzision, mit der der GTS seine umwerfenden Fähigkeiten auf die Straße bringt, noch die im Sport plus-Modus geradezu sinfonienhaft trompetende Sportauspuffanlage.

Denn der GTS ist wie alle Porsches für Normalos einfach zu teuer. Gratulation an den, der eben mal 117 549 Euro hinlegen kann, dafür gibt es das heckgetriebene, handgeschaltete Coupé. Ganz oben in der Preisliste steht das 137 422 Euro treure Allrad-Cabrio mit PDK.

Reichlich viel Asche, die aber längst nicht reicht, wenn man sich am Sonderausstattungsprogramm bedienen will. Dann rutscht etwa das Cabrio ganz schnell an die 170 000 Euro-Schallmauer. Heftig. Ganz schön beeindruckend war der Erstkontakt mit dem GTS natürlich trotzdem. Wobei der Kurventanz durch die Berge fast noch mehr Spaß machte als die Hatz über die Rennstrecke. Aber das ist jetzt wieder Geschmackssache.